Freitag, 28. Dezember 2012

Unser Leben in Mount Maunganui

Mount Maunganui lässt uns nicht los. 5 Wochen sind wir nun schon hier und der Ort verliert nicht an Sympathie. An dieser Stelle wollen wir nun also unser Leben hier in Mount Maunganui schildern, der Ort, der mittlerweile ein kleines Stück Heimat für uns ist und trotzdem keinen Alltag einkehren lässt.
Wir leben, wie bereits erwähnt, im Mount Backpackers. Nach den ersten 3 Tagen im 14er- Zimmer (klingt schlimmer, als es ist), zogen wir in das 10er- Zimmer um, das wir bis heute bewohnen. Alle in unserem Zimmer sind Longstayer, weshalb wir uns schon recht gut kennen lernen konnten. Da sind Daniel und Nico aus Deutschland, mit denen wir uns schon am ersten Abend anfreundeten, Pierre, der Franzose, der das Bett unter mir belegt, Joao aus Brasilien, der zu den dümmsten Tageszeiten ein Schläfchen abhält, Antonio, ebenfalls aus Brasilien, der sich gern spaßeshalber einen hässlichen Moustache wachsen lässt, deutscher Daniel 2, den wir für sein nächtliches Geschnarche sehr lieben und Jess aus Argentinien, die mir mit ihrem Musikgeschmack und ihrer unbeschreiblichen Art sofort sympathisch war. Jeden Morgen stinkt unser Zimmer ganz extrem nach Mensch und Schlaf, Joaos Wecker weckt jeden, außer ihn selbst und mindestens 2 Leute schlafen bis mittags 1 Uhr. So leben wir also zu zehnt in einem kleinen Zimmer mit 7 Longboards, einem Surfboard und dem Fenster, das genau zum Hostellärm gerichtet ist. 

Pierre, der eben gesehen hat, dass ich einen neuen Blogtext schreibe, musste hier noch einen sinnfreien (französischen) Satz hinzufügen: Dans ma chambre il y a Pierre, c est un mec genial, j aimerai descendre dans son lit parfois mais je suis trop timide.

Natürlich feierten wir auch schon die ein oder andere Hostelparty. Da die Pubs um 1 Uhr nachts schließen, wird halt im Hostel weiter gefeiert. Wir finden das immer ganz toll, die Nachbarn nicht so.


Deshalb werden die Hostelregeln auch öfter etwas strenger, aber Stew will uns nie den Spaß nehmen, er ist einfach zu lieb. Abgesehen davon, interessiert es ihn selbst nicht sonderlich, ob es laut ist. Es kommt oft genug vor, dass mitten am Tag extrem laute und schlechte Musik aus der Rezeption schallt, weil Stew mal wieder seine lauten und basslastigen Musikboxen austesten muss. Er kann einem keinem Wunsch ausschlagen, so kaufte er uns schon Ausstechförmchen zum Plätzchenbacken oder Schokolade, weil wir beim Film schauen gerade Appetit darauf hatten.
Allgemein gibt es ständig neue Anschaffungen. So sind in den letzten Wochen zwei neue Kühlschränke, ein riesiger Barbecue, eine Überdachung, ein Sitz in der Behindertendusche, diverse Mülleimer, eine Musikanlage, Pinnwände, eine große Sitzgelegenheit, hübsche bunte Plastikteller, ein Weihnachtsbaum und ein Sandwichmaker dazu gekommen. Und als ob das noch nicht genug wäre, ließ sich Stew ein 3m²- Kabüffchen in das Computerzimmer bauen, in dem er jetzt wohnt.

Grillabende gibt es hier auch öfter mal. Jetzt haben wir ja so einen Megagrill hier stehen, da muss der auch genutzt werden. Simone schneidet uns die Haare und Fred aus Brasilien spielt auf seiner Gitarre, die er irgendwo im Müll gefunden hat und singt dazu oder bellt oder schreit. Wir sind wie ein kleiner Zirkus, der Großteil hier kann jonglieren (wir sind fleißig am üben!), wir haben den Hoola Hoop wieder entdeckt und fühlen uns damit wie kleine Mädchen, alle flechten sich Armbänder und allgemein hat jeder irgendein Talent. Der ein oder andere geht im Pazifik surfen, Cindy hat sich auch schon auf einem geliehenen Board versucht und das war sicher nicht das letzte Mal. Nachts macht dann ein Teil der Hostelbewohner im stillen Mount Maunganui einen Gruppenausflug auf den Longboards.

Eine andere Idee zum Zeitvertreib war das Plätzchenbacken. Wir wollten wenigstens ein wenig Weihnachtsstimmung einkehren lassen (das hat die hiesige „Christmas Parade“ leider nicht geschafft, da waren nur unglückliche Kinder und künstliche Schneemänner. What the hell, es ist Sommer!!).



Und so fabrizierten Cindy und ich leckere Christmas Cookies. Simone brachte uns dann auf die Idee, sie zu verkaufen. Und so wurde aus einem Zeitvertreib eine süße Geschäftsidee. Wir machten einen ganzen Tag lang Plätzchen, verpackten sie möglichst liebevoll und setzten uns dann für ein paar Stunden vor das Hostel, um sie als „German Christmas Biscuits“ zu verkaufen. Nach 4 Tagen waren wir um einige nette Gespräche und 95$ reicher. Weiterführen wollten wir dieses „Geschäft“ allerdings nicht, denn wir hatten irgendwann genug von Plätzchen und vom Freundlichsein („Hello! Do you want to try our German Christmas Biscuits?“), legal ist das Ganze bestimmt auch nicht wirklich. Spaß hat es trotzdem gemacht, ständig kam jemand aus dem Hostel, der uns Gesellschaft leisten wollte. Zwei der fünf Engländer, die wir liebevoll die Boygroup nennen, jonglierten neben uns, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erregen und riefen immer mal Worte wie „delicious cookies“ zu den Leuten. Die meisten fanden uns wohl eher bizarr/ mitleiderregend/ niedlich, als dass sie an unseren Plätzchen interessiert waren ;)

 Nach diesem Text, voll von Liebe und Schwärmerei bezüglich unseres derzeitigen Heimatortes, kann hoffentlich auch jeder unserer Leser verstehen, dass wir Weihnachten hier verbringen wollen und werden. Zwar müssen wir in diesem Jahr auf unsere richtigen Familien verzichten, verbringen die Festtage aber immerhin mit unserer Hostelfamily. Und so freuen wir uns schon auf Weihnachten am Strand Mount Maunganuis, dem Ort, der unser ganz persönliches Paradies ist.




Mittwoch, 26. Dezember 2012

late Must-do and rotten fish

Mount Maunganui ist, was wir wahrscheinlich noch gar nicht erwähnt haben, nach dem Berg benannt, der sich hier befindet. Jeder, der hier her kommt, sollte mindestens einmal auf diesem Berg gewesen sein. Cindy und ich wissen das natürlich und so konnten wir uns eines Tages auch endlich aufrappeln, um diesen Berg zu besteigen (Emilio joggt hin und wieder auf den Berg). Es war ein wunderschöner sommerlicher Tag und wir brachen mittags in der stärksten Hitze auf. Natürlich war das absolut nicht gut durchdacht, so stiegen wir ca. 30 min in der prallen Sonne gen Gipfel. Der Weg war beschwerlich, aber sehr idyllisch. Oben angekommen genossen wir den tollen Blick auf den Pazifik, Mount Maunganui und Tauranga. Nun können wir bestätigen, was uns jeder zuvor sagte: Der Aufstieg ist anstrengend, aber es lohnt sich!

Teil zwei dieses Tages war hingegen weniger positiv. Stolz und müde, endlich auch dieses Vorhaben umgesetzt zu haben, saßen wir im Hostel und entspannten. Da kam Jen von der Rezeption zu uns und fragte, ob wir beide für diese Nacht einen Job brauchten. Wir waren sofort begeistert, die Aussicht auf etwas Eigenverdienst benebelte allerdings so sehr unseren Verstand, dass wir tatsächlich zur nächtlichen Arbeit in einer Fischfabrik zusagten. Die Menschen, die uns gut kennen und das lesen, werden sich denken „What the hell??“, für alle anderen: Cindy und ich sind Vegetarier. Außerdem stinkt Fisch. Und nachts für 10 Stunden arbeiten ist auch nicht so toll. Wir fragen uns bis heute, was wir uns dabei gedacht haben, oder wohl eher, warum wir uns dabei NICHTS gedacht haben.

So fuhren wir um halb 7 am Abend nach Tauranga in die Fischfabrik. Dort wartete Christina auf uns, die uns zuvor in der Job- Agentur als geduldige und freundliche Dame beschrieben wurde. Diese erklärte uns allerdings gar nichts, außer, dass wir in dieser Nacht mit „rotten fish“ arbeiten mussten, es konnte also kaum schlimmer kommen. Nach dieser „ausführlichen“ Erklärung bekamen wir unsere Arbeitskleidung. Diese bestand aus einem Overall, Gummistiefeln, zwei paar Handschuhen, einem Haarnetz und einer Art Metzgerschürze. Wir betraten die Halle mit ein paar anderen Mädels, die ebenfalls mit dem Working Holiday Visum in Neuseeland sind. Sie zeigten uns glücklicherweise, was wir machen mussten.

Wir stellten Kartons neben einem Fließband bereit und dann begann der eigentliche Spaß des Abends: Tonnenweise toter Fisch kam über eine Rinne gerutscht, diesen mussten wir dann in die Kartons verpacken und auf das Fließband schieben. Dummerweise mussten wir das ganze Dilemma auch noch sortieren. Das heißt, dass Fischinnereien, -augen, -schwänze, -köpfe etc. in eine Extrabox kamen. Leider kam das sehr, sehr oft vor. Ich entschied ziemlich schnell, dass man die Fabrik boykottieren sollte und so verlangsamten wir unseren Arbeitsrhythmus und sortierten einfach nichts mehr. In der Hoffnung, dass die Fabrik nur durch uns beide bald bankrott gehen würde, hatten wir mehrere stimmungsmäßige Hochs und Tiefs. Wir lachten über die absurde Situation, kämpften mit dem Brechreiz und hatten Mitleid mit den toten Fischen. Später kam Christina zu uns. Sie hatte einen Zettel in der Hand, auf der die Anzahl der verpackten Boxen aller einzelnen Arbeiterinnen notiert war. Wir haben nicht bemerkt, dass unsere Arbeit kontrolliert wurde und wurden nun angewiesen, schneller zu arbeiten, da wir viel weniger verpackt hatten, als alle anderen. Das interessierte uns allerdings reichlich wenig, das war eh unsere erste und letzte Nacht dort. So verpackten wir Stunde für Stunde toten, riechenden Fisch, hatten viele Pausen und freuten uns nach 9,5h auf das Ende dieser Arbeit. Um 5 Uhr morgens sollte sie enden, um 4.40 Uhr informierte Christina alle noch einmal, dass nur ganze Fische verpackt werden sollten, keine Einzelteile. Wir lachten, dass sie uns das so spät noch einmal sagte, nachdem wir das ja schon fast 10 Stunden lang gemacht haben. Als dann jedoch die nächste Fuhre Fisch in unsere Abteile rutschte, war uns klar, warum. Denn da kam nun der RICHTIG alte und widerliche Fisch. Nachdem wir vorher relativ gut mit dem Geruch umgehen konnten, war es uns nun nicht mehr möglich, zu atmen. Der Fisch konnte eigentlich komplett aussortiert werden, denn was da kam, war eine große Masse an Fischeinzelteilen und -innereien. Diese letzten 20 Minuten waren die reinste Hölle, die Zeit schlich nur so dahin und ich überlegte schon, wohin wir uns übergeben sollten. Wir schauten einfach gar nicht mehr hin, was wir da taten und hofften, dass es bald vorbei ist. Als die letzten 20 Minuten dann endlich vorbei waren, zogen wir uns um und gingen zum Auto. Ich hatte extreme Glücksgefühle über das Ende dieser Nacht und Cindy begann zu weinen. Ohja, das können nur die nachvollziehen, die das selbst einmal erlebt haben. Diese Nacht war traumatisch und wir waren uns sicher: „Nie wieder!“.

Anhang: Später erfuhren wir übrigens noch, dass in den letzten 3,5 Jahren nur zwei Mal mit verrottetem Fisch gearbeitet wurde, wir hatten also die perfekte Nacht erwischt. Des Weiteren wird dieser Fisch in asiatische Länder verkauft, wo er gegessen wird. Später arbeiteten auch noch Freunde aus dem Hostel ab und zu in der Fischfabrik. Einmal bestand ihre Arbeit daraus, die Daten auf den Boxen mit Jahre altem Fisch zu ändern und ihn neu zu etikettieren. Zufälligerweise gab es in genau dieser Nacht in den Pausen Pizza für alle.